Veranstaltung 16.10.2014


 

 

 

 

 

Blick zurück und heute 2017

15 Jahre gibt es nun Lindes Selbsthilfegruppe Kaufsucht in Hannover!!

 



‚Ich habe in dieser Zeit viele Menschen kennengelernt. Betroffene, Angehörige, Ärztinnen, Ärzte, Therapeuten, Konsumforscher, Kliniken, Rechtsanwälte. Alle mit dem gleichen Ziel, die Kaufsucht zu behandeln, zu verteidigen und das diese als Krankheit anerkannt wird.

Es gibt Angehörige, die fordern, dass der Betroffene nach kurzer Zeit geheilt ist.

Dies ist leider ein Wunschdenken.

In den 15Jahren kamen immer mehr Betroffene, die mit dem Gesetzt in Berührung kamen.

Betroffene die bestraft wurden und in Forensische Kliniken, wie ich selbst, oder in Gefängnissen untergebracht sind. Es gibt auch Betroffene die sich leider noch immer selbst einweisen oder Betreuer die dieses tun. Das führt leider auch dazu, das Betroffene entmündigt werden können.

Es gibt leider immer noch Richter, Gutachter, die die Sucht nicht anerkennen wollen und so werden für Betroffene oft, wegen Betrug, Erwerbsmäßiger Betrug, Urkundenfälschung, Diebstahl, hohe Haftstrafen ausgesprochen. Viele Kaufsüchtige haben n Serie betrogen haben oder gegen Auflagen in der Bewährung verstoßen, deshalb oft hohe Strafen.

Oft endet die Verurteilung in einem Desaster!!

Die Kaufsucht reicht schon allein, das die Familien daran kaputt gehen oder zerstört werden. Alle Beteiligten, Betroffener, ‚wie Angehörige sind in einer Schockstarre, nicht wissend was nun zu tun ist.

Wenn dann der Betroffene verurteilt wird und für Jahre ins Gefängnis muß oder in Forensischen Klinik untergebracht wird, dann erleben alle, Betroffener oder Betroffene, Kinder, Ehepartner und alle nachstehenden Personen ein absolutes in die Tiefe zerrissene Zerstörung der Familie. Für die Kinder über die Jahre ein Trauma, seelische wie körperlich 

Die Ablehnung der Mutter äußerte sich bei mir mit Ängsten, Depressionen, Schlafstörungen, seelische- und körperliche Schmerzen, Suizidgedanken. 

Bei anderen Betroffenen auch die Umsetzung (oft steht nur Verschuldung der Familie).

Aus Nichtwissen der Beteiligten, wirkt diese Verurteilung wie eine „Todesstrafe“, der Betroffene wird gänzlich von den Kindern getrennt und das Treffen wird von Dritten vorgeschrieben. Ich habe es selbst erlebt. Es entstehen Berührungsängste, Vorwürfe, Demütigungen, Schuldzuweisung, Verlustängste  wie auch Trauma auf beiden Seiten. Es bleibt auch nach Beendigung der Strafe eine zerrüttete Familie. 

Ich erlebe es in den 15 Jahren, wo ich die Gruppe leite, dass viele das verlieren, was sie lieben. Es klingt oft wie Hohn wie mit der Angst der Betroffenen, alles zu verlieren, umgegangen wird. Immer nur Schuldzuweisungen.

15 Jahre, sehe ich die Tränen der Betroffenen, Männer wie Frauen. Die Verzweiflung, die Sucht nicht erklären zu können, abgestoßen zu werden, nur noch geduldet zu werden. Weinkrämpfe, zittern, die außer der Gruppe niemand zu sehen bekommt, nächtlich Anrufe, das Leben nicht mehr meistern zu können, weil man als „Versager“ abgestempelt wird. ich sass bei Verurteilungen mit im Gerichtssaal, habe mich für die Betroffenen gefreut, wenn es, Gott sei Dank, eine Bewährung gab.

Leider ist die Gruppe auch genutzt und benutzt worden, das Betroffene sich nach Jahren einen neuen Kreis Verbündeter suchte und die Gruppe nach vielen Jahren, des mit  Leidens, nicht mal erwähnen, und die Worte aus der Gruppe für sich benutzen und die Verurteilung als Trophäe durchs Leben zu tragen.

Dies wird auf Dauer nicht gut gehen. Sich selbst über andere darstellen sollte jeder aus seiner Sucht kennen und dies nicht für sich weiter als Vorbild nehmen und nicht erwähnen wo man Hilfe bekommen hat, bei Tag und Nacht, in Zeiten wo es für den Betroffenen nicht weiter ging. ‚

Leider wird die Kaufsucht, die eine stoffungebundene Sucht ist, als Schwäche angesehen. Nein, für mich ist die Kaufsucht eine schwere Krankheit, schwer zu therapieren, schwer in den Griff zu bekommen, schwer aufzudecken. Sehr schwer für Betroffene, die Bewährung einzuhalten, schwer den Beruf auszuüben, schwer

ist es die Sucht zu erkennen. Außenstehende die nicht nachvollziehen können, das die Betroffenen auch schwere Entzugserscheinungen haben, Zittern, nasse Hände, Schweissausbrüche, Schwindel, sich übergeben müssen, Migräneanfälle, Körperschmerzen, oft ausgelacht werden, da es für Aussenstehende nicht nachvollziehbar ist.

Wie ich schon oft erwähnt habe, kommt die Sucht in  allen Gesellschaftsschichten vor, auch in Berufen, wo man es nicht vermutet. Der Beginn ist oft im Jugendalter durch Verlust der Anerkennung, Tod eines geliebten Menschen, sexueller Mßbrauch, Schläge seelischer Missbrauch, Scheidung., Demütigungen. Für die Aussenwelt nicht sichtbar und das eigene Schämen, es niemanden zu erzählen. Es gibt auch überbehütete Betroffene, die erst aus Erzählungen anderer erfahren, das sie eine erheblich Rolle für Erwachsene übernehmen mussten. Kinder die Mutter oder Vater in Familien schützen mussten, Immer da sind und mit einbezogen werden und sich anhören müssen, Du bist nie da für mich. Diese Rolle wird lange als Erfolgsrolle angenommen. Mutter trösten, wie es meine Tochter getan hat und ich es schon bei meiner Mutter getan habe.

Als ich beim Anwalt in die Lehre ging und ich glaubte die Welt sei in Ordnung gewesen! Jahrzehnte späte mit einer damals mit Auszubildenden sprach, und sie mich fragte, ob ich auch immer meinen Pullover hochziehen musste, wenn ich bei dem einen Chef rein musste!!!!!!????? Wie wir zwei, das erste Mal, das Thema ansprachen und ich antwortete, ja, das musste ich auch immer. Obszöne Sätze, die ist ja schon schön gewachsen…Wir es damals niemandem erzählten, auch mit dem jungen Denken, das passiert jetzt nur mit Dir. Und wir es zur damaligen Zeit, es nicht mal den Eltern erzählt haben, weil die Schuld dann uns gegeben worden wäre. 

So etwas gab es früher nicht.

Es war die Zeit kurze Röcke, engen Pullover, halt die 70. Erzähle es das 1. Mal.

Ich habe es meiner Mutter erst gesagt, als ich mit Mitauszubildenen gesprochen habe. 

1972 hatte ich mit 17 Jahren einen Freund. Auf der Rückfahrt aus der Disco fuhr er gegen einen Baum. Ich wachte Tage später auf der Intensivstation auf. Die Kopfhaut war beim dem Unfall von der Rinde des Baumes abgerissen im Lendenwirbelbereich waren 4 Wirbel angebrochen. 

Ich erinnere mich, das ich im OP die helle Lampe war, das Menschen hektisch sprachen, ich nichts spürte außer, das es auf einmal ganz ruhig wurde und mein Körper anfing zu schweben. Ich dem Licht immer näher kam und es ein wohliges Gefühl war. Auf einmal hörte ich wieder Stimmen, holt sie zurück…dann weiss ich nichts mehr, außer die Herztöne auf Geräten von anderen Patienten. Mich am Kopf fasste und ich einen Verband trug. Was war geschehen… mehr im Buch.

Sehr viele Sachen konnte ich erst in den letzten Jahren mit meinen Eltern, heute mit meiner Mutter besprechen. Ich denke vieles ist in mehren Generationen in den Familien nicht angesprochen oder ausgesprochen. Süchtige in den Familien waren immer Aussenseiter, aber ohne konnte und wollte auch niemand leben, denn sie hatten ja eine Bedeutung, eine Rolle in der Familie. Wenn es dann raus kommt, gerät alles durcheinander, jeder muss sich in der neuen Rolle finden und schnell ist dann auch ein Sündenbock gefunden, warum alles nicht funktioniert hat in all den Jahren.

Selten wird über diese Familienmitglieder gesprochen, das Thema ist auch bei mir in der Familie kein Thema, zum Thema mach ich es. Und verändern musste ich mich, nicht die Anderen. Außer meine Kinder, die die Schuld

bei sich suchen. Wie ich auch bei mir immer die Schuld gesucht habe, rote Haare, Zahnlücke, X Füsse, alle wunden Punkte die zur damaligen Zeit, Nachkriegskind, wirklich niemand haben wollte. Und wenn man als Kind gehänselt wurde, bleibt das ein Leben lang im Kopf. Wenn die Lehrerin vor der ganzen Klasse zu dir sagt, Du Hexe. 

Erst nach meiner Entlassung 2002 habe ich mir Bücher gekauft über Rothaarige, Hexenverbrennungen, weil ich mich in der Rolle erst um 2000 annehmen konnte. 

Oft kommt die Sucht erst zu Tage, wenn die Bombe platzt oder eine Selbstanzeige gemacht wird. Die Aufforderung sich schnellstmöglich eine Therapie zu machen oder in eine Gruppe zu gehen, ist sehr schwierig, da es kaum Therapieplätze gibt und auch Gruppen in Deutschland sehr rar gesät sind. Kaufsucht ist immer noch in der Grauzone, viele haben es, keiner hat es.

Kaufsucht heißt nicht Kaufsucht aber Kaufsucht heißt Schulden, den Satz sage ich seit Jahren auch in der Öffentlichkeitsarbeit.

Der Wissensdurst von Betroffenen und Angehörigen , mehr über die Sucht zu erfahren ist sehr hoch, aber der Wunsch sofort einen Therapieplatz zu bekommen, ist nicht oder schwer umzusetzen.

Es dauert sehr lange bis Betroffene die Einsicht haben krank zu sein, kaufsüchtig zu sein. Solange sich der Betroffene nur mit Ja und nein äußert, mache ich, weiss ich und sich nicht auf die Therapie oder Gruppe einläßt, schafft er es nicht einen Anfang zu finden.. Viele versuchen lange die Sucht begriffen zu haben, es schnell daraus geschafft zu haben, das ist ein Selbstlüge, dadurch können viele nicht ehrlich darüber reden, sie versuchen es weiter allen recht zu machen. Oft ist aber auch die Therapie zu verlockend so agieren zu können, weil, wenn einer nicht die Wahrheit sagt, zeihen die Anderen mit. Deshalb sollte das Vertrauen zueinander von Anfang an da sein, denn ein Kaufsüchtiger weiss wie man trickst, leugnet und alles weiter verbirgt. Das ist die Suchtstraße. Das haben wir Kaufsüchtigen über Jahre gelernt uns angeeignet, und verinnerlicht. Es ist wie auf einer Festplatte, das Gehirn vergisst nie. 

Es dauert Jahre sich ein neues Gerüst aus der Sucht aufzubauen und da wieder raus zu kommen. 

Alleine schafft es niemand. 

Wir müssen lernen, die Werte des Geldes wieder zu finden. Wir müssen die Löcher versuchen zu schließen mit der wir die Sehnsucht nach dem KaufKick gesucht haben. Wir müssen wieder lernen zu vertrauen. Kaufsüchtige können besser mit Negativen umgehen als Positive Empfindungen zu haben. Glück, Liebe, Gefühle, Nähe zu zulassen, ehrliche Berührungen alles muss neu erlernt werden. 

Wie wir die gekauften Dinge versteckt oder nicht gebraucht oder nur kurz gebraucht haben, so müssen wir lernen das es seinen Wert hat. Geldwerte, Werte der Produkte… 10 Euro von 1000 Euro zu unterscheiden.  Nein zu sagen statt Ja. Lernen wieder an sich selbst zu glauben. Lernen es für uns selbst zu erkunden und für niemand anderem. Lernen, das wir ganz alleine diese Weg gehen müssen, es niemanden der es für uns übernimmt.

Die Kauf-Sucht macht einsam auch ich dachte Glück und Liebe könnte ich kaufen. Nein, ich habe mein Ich verkauft, jeden Tag mehr, ich wurde gierig mehr mehr mehr, jedenTag, dann wurden es zur jeden Stunde, am besten Tag und Nacht. Sucht heißt Gier und Gier frisst Hirn und ich dachte ich bin immer schlauer als die Sucht und komme da allein heraus. Nein, das geht nicht. 

Lange wurde ich belächelt. Kommen Sie, wir gehen zusammen einkaufen, kommen sie, wir bringen das zusammen zurück. Erzählen sie mir, wenn sie wieder das Verlangen nach Kaufen haben… nein genau so nicht!!!Die Sucht ist eine alleinige Sucht, die zeigt man niemanden. Das Zurückbringen gleicht einer Beute, die die ich als „Tier“ gerissen habe. Die gehört mir ganz allein, die laß ich mir von niemandem nehmen. Natürlich hat mein NichtsüchtigesDenken gesagt, gib es weg, es bringt dir kein Glück und keine Liebe…aber die Beute hat mir meine Sehnsucht, nach Liebe, Anerkennung, Sehnsucht, Glück und Heimweh gegeben. Ich habe sie gerochen, erfühlt, gehört und gesehen, das lasse ich nicht mehr los. Ich war aber schnell nicht mehr ich, sondern die Getriebene, die alles kann, arbeiten, Mutter sein, Tochter sein, Witwe sein, Geliebte sein, eine Macherin die alles kann. Aber je mehr ich wollte um so mehr verhedderte ich mich, ich wurde fahrig, ungerecht meinen Kindern gegenüber, Streit mit meinen Eltern, Angst vor den Gläubigern, Angst vor der Arbeit und irgendwann Angst vor mir selbst. Ich konnte die Sucht und dadurch mich nicht mehr einschätzen. Ich funktionierte nur noch, lebt in ständiger Angst, bettelte jeden Tag irgendwo nach Geld, schob die Rechnungen vor mir her und verlor nach und nach den Überblick. Fassade alles in Ordnung zu haben, aber da war nichts mehr in Ordnung, nicht mehr im Kopf, nicht mehr in der Wohnung, nicht mehr in meinem Denken. Nur immer, ein irgendwie. Und ich spürte jeden Tag, das ich unterwürfig wurde, hörig wurde denen gegenüber die mir Geld gaben ungerecht den gegenüber die mich über alles liebten, meinen Kindern. Auf den Boden kriechend vor meinen Eltern und Gläubigern. Ich ließ mir alles gefallen, negatives in 100 fache Dosierung aber durch mein Äußeres dachte ich, könnte ich alles wett machen. Ich war immer auf Sprung. Kaufattacke los ohne auf das zu hören, was meine Kinder mir sagten, die haben das am Näherten von mir mitbekommen, soviel habe ich den letzten Jahren gehört. Ich habe Sie mit meiner Sucht verletzt, und seelisch missbraucht weil auch ich sie jeden Tag belogen habe, aber von Ihnen verlangt habe, sie sollten den Mund halten, so wie meine Mutter es seit Jahrzehnten von mir verlangt hat.

Lasst mich, ich mach das schon…obwohl ich nachts den Gedanken des Kaufens nicht los wurde, das schlechte Gewissen, wie kann ich ‚Wünsche meiner Kinder erfüllen, das sie mich wieder lieb hatten. Ich habe gegeben und genommen, vor allem das Vertrauen meiner Kinder zu ihrer Mutter. Ich konnte Ihnen nicht sagen, was ich vermisse, sie haben den täglichen Zank und Streit mit meinen Eltern, Gläubigern erlebt. Meine Beteuerungen, das bald alles wieder gut wird. Ich habe in dieser Sucht ihre Ängste in den Wind geschlagen. Ich war auf dem sogenannten Höllenritt. der Sucht.Teufel sagte immer, einmal kannste noch, der Engel sagte, bitte nicht schon wieder. Der Teufel war mein Gefährt. Depressionen, liegen wie ein Sack in Zement in meinem Körper, festgeklebt, nicht bewegen können, die Tränen laufen, das Hilfe schreien in der Dunkelheit ist unmöglich, es soll ja niemand hören. Mein Körper tat so weh, mein Kopf dröhnte und ich konnte mich nicht bewegen, nur die Gedanken spielten verrückt, ohne Dich Sieglinde würde es allen besser gehen. N e i i i i n, ich kann meine Kinder nicht alleine lassen. Ich schämte mich fast zu Tode im wahrsten Sinne des Wortes  aber ich konnte es niemanden sagen,  weil ich mich ja sooooo verdammt schämte. Die Drohung, wir nehmen Dir die Kinder  hatte mich unter Höllenqualen gestellt, wer wollte mich bei der Schande die ich allen bereitete unterstützen, stützen oder geschweige zuhören. Da hat sie doch selber Schuld.

Läuft ja auch rum wie die Gräfin Mariza,  die ich persönlich nicht kannte oder auch nicht wusste, wer es ist aber das war ich für so viele.

Ich stand jeden morgen vor dem Spiegel, nicht weinen, nicht weinen, das macht Falten, was mich dazu bewegte noch teueres für Gesicht und Körper zu kaufen, ich hatte ja nur noch die Kleidung, die Schminke, die Cremes und die sollten ja alles ausgleichen, damit es niemand sah. Außer Sonntags, da wo meistens niemand kam, kein Gläubiger kein Gerichtsvollzieher, keine Polizei. Wenn die Sendung XY lief hatte ich fast Panik, das mein Bild irgendwo erscheint. Hubschrauber, ich dachte jetzt suchen sie dich. Eine Angst die mich im Innersten zerriss. 

Schlimm heute 15 Jahre später, die Angst sahen wohl nur meine Kinder und ich redete mich um Kopf und Kragen auch wenn Gerichtsvollzieher, Gläubiger oder Polizei kam, das alles nur so schlimm aussieht, es aber nicht ist. 

Ich bekam Verbote in Boutiquen, es hingen Zettel an der Tür, Frau … hat hier Hausverbot, sie darf hier nichts mehr kaufen. Ja, es sprach sich rum, die Kinder wurden angesprochen, meine Eltern, Geschwister, Freunde alle.

Später wurde bei den Nachbarn angerufen, das ich das und das gekauft habe, ob sie mich kennen.

Hausdurchsuchungen, Pfändungen beim Arbeitgeber jeder wußte Bescheid und ich dachte immer noch, ich schaffe es alleine. Das war ein Spießrutenlauf auf höchster Ebene, der tiefste Fall. In Gedanken hoffte ich, das es irgendwie, durch irgendetwas aufhört. Ja, durch Tod…und dann kam die Festnahme.

Heute weiss ich, was ich meinen Kindern angetan habe, heute kann ich es erklären, schreiben und einzelne benennen, aber ich weiss auch, das es für meine Kinder ein Trauma ist, nicht mehr hören zu wollen.

Jeder von uns braucht heute seine Hilfe um es zu verarbeiten. 

Wenn ich es heute Menschen erzähle, Betroffenen, Fremden, Ärzten, Angehörigen, höre ich mir an, habe ich alles durch, kenne ich, weiss ich… und ich stelle mir immer die Frage, wie können die das in kurzer Zeit??? Ich antworte dann ab und zu, das glaube ich Dir oder Ihnen nicht oder gebe darauf keine Antwort mehr.

Die Sucht ist nicht heilbar, der Betroffene wie auch ich haben ein Leben daran zu arbeiten.

Kinder von Betroffenen müssen es in harter Arbeit, oft mit Therapeuten, aufarbeitendes geschehen ist. Es sind Traumata,die nicht von heut auf morgen verschwinden. SÜCHTE LEBEN, ich habe es heute im Griff habe, im Verborgenen sind sie da, sie sind nicht wegradiert und das macht sich nicht bemerkbar, nicht in Wochen, Monaten oder wenigen Jahren. Ich kenne niemanden, der mir in 15 Jahren gesagt hat, ich bin geheilt. Wunschdenken von Betroffenen, wie von Therapeuten und Kliniken die das leider heute immer noch gut verbreiten. Betroffene kommen aus einer Therapie oder einer Reha und erzählen, wie gut sie nun alles geschafft haben und auch nie mehr den Kaufdruck seitdem haben, weil Ihnen geholfen wurde.

Die Kaufsucht kann aus Angst, bei einer neuen Liebe, Heirat, Kind, Therapie, Gerichtstermin, Polizeitermin, verdrängt sein, aber sie ist nicht weg. Leider ist das der Glaube von so vielen Betroffenen das nach 6, 12, 16 Wochen Reha, Verurteilung Gefängnis, Psychiatrieeinweisung alles in der Zeit erledigt ist, Bist Du geheilt. Nein, man muss die Sucht erst einmal anfangen zu verarbeiten, sich selbst reflektieren, aufarbeiten, mit Angehörigen sprechen, sich auch auf Kritik einlassen. Ja, man hat gelitten in der Zeit wie ein Hund aber alle anderen haben auch gelitten. Sich dann aber erst einmal als wichtiger Teil einer Therapie anzunehmen und nicht die anderen vorschicken, das ist der Weg es in Jahren in den Griff zu bekommen. 

Aus der Sucht zu kommen bedeutet mit Gleichbetroffenen. in Kontakt zu sein, ehrlich, vertrauensvoll, respektvoll  sich und den Gegenüber annehmen. Das Leben wird nie wieder so wird, wie es war. WIR verändern uns, nicht die Anderen, sie bleiben die, die sie immer waren.

Wünschenswert wäre eine Klinik mit Wohngemeinschaft für Kaufsüchtige, behandelbar stationär oder ambulant und als Hilfestellung, für Vor- oder Nachbehandlung und für eine längere Zeit.

In unserer Gruppe finden Betroffene, Vertrauen, Respekt, Verständnis und Zugehörigkeit. 

Natürlich gibt es auch Teilnehmer die darauf hoffen sofort von der Sucht befreit zu werden, das die Gruppe sie in kürzesten Zeit heilt, dieses können wir nicht geben, wir können nur gemeinsam einen Weg finden das wir die Sucht gut in den Griff bekommen. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit aber man kann bei vielen eine Schablone drauflegen, weil wir in Hinsicht der Sucht gleich ticken. Wir können über den Austausch vieles voneinander lernen oder mitnehmen und umsetzten. beim Einen früher beim anderen später, bei anderen garnicht, weil sie die Gruppe so wie wir sind nicht annehmen können.

Niemand kann für den anderen die Verantwortung übernehmen, niemand kann für den anderen 24 Stunden, 12 Stunden da sein, auch ich nicht. Es gibt einige Phasen der Sucht, einander  zuhören, den Suchtdruck für den Moment rausnehmen und uns durch Gespräche und das da sein des Suizidgedanken schwächen aber nur dann, wenn der Betroffene es zuläßt. Betroffene in der Gruppe merken sehr schnell, wenn jemand uns etwas vormacht oder Geschichten erzählt, die nicht stimmig sind oder weismachen  die Lösung gefunden zu haben.. Diese Teilnehmer kommen nicht sehr weit in dieser Gruppe. Und ein Auf und Ab ,nur sporadisch oder nur in Krisensituationen zu kommen, geht bei uns nicht. Eifersucht, Neid und Überheblichkeit ist bei uns in der Gruppe auch Fehl am Platz. Wir sitzen alle in einem Boot. Wir sind eine reine KaufSuchtGruppe.

Diese Gruppe ist eine geschützte Gruppe, keiner wird an die Öffentlichkeit gezerrt oder vermittelt, dies ist der Wunsch aller und diesen Wunsch der Anonymität ist mein Versprechen an alle die zu uns und mir kommen und den Mut haben‚ über die Sucht und die Probleme zu sprechen. Dies geht nur mit untereinander vertrauen und den Glauben den wir uns untereinander geben. Niemand ist in der der Gruppe ist mehr oder weniger. Ich arbeite nicht mit Bildern anderer Betroffener. Gespräche werden nicht mitgeschnitten, ich arbeite nach wie vor nicht mit Face Time. Jeder kann sein Gesicht am Telefon wahren, denn der Scham bei Betroffenen ist sehr hoch Tränen zu zeigen. Ich bin nicht bei Facebook. 

Ich kämpfe mit der  Gruppe um Anerkennung der KaufSucht und KaufInternetSucht.

Es ist eine seltene Erkrankung, eine stoffungebundene Sucht und betrifft aller Altersgruppen und Gesellschaft schichten. Es leiden darunter Männer wie auch Frauen. Viele können oder wollen sich nicht guten, da sie ihre Arbeit verlieren würden. Oder es gibt Spießroutenläufe für die Betroffenen. 

Ich mache mich seit 2002 öffentlich mit der Sucht trotz alledem ist nicht zu vergessen, was auch bei mir das Negative Spiel ist. Gläubiger werden dadurch auf mich aufmerksam, glauben Sie mir, das kann auch eine Verdammnis sein, Schulden zu haben. Diese habe ich mein Leben lang und die nimmt mir niemand ab, denn Titel von Gläubigern können immer wieder neue bewirkt werden und gelten 30 Jahre.

Gläubiger, Titel und Internet vergessen Dich nie.

Trotz der Unterbringung von 8 Jahren sind meine Schulden nicht erledigt, die Schuld und Schulden trage ich bis zum Lebensende. 

Ich möchte es auch hier und immer wieder erwähnen, ohne die Gruppe hätte ich es nicht geschafft.. Es gibt ein WAS die Gruppe immer versteht,  das nicht jeder Tag gleich gut oder schlecht ist, das Dinge auch familiär geschehen, die man nicht vorhersieht. Rückfälle sind kein Freibrief aber sie gehören dazu.

Ohne meine Kinder hätte ich nicht den Mut gehabt mich auf diesen steinigen Weg zu begeben. Es tat sehr weh und vieles heute noch. Ich weiss, Sie lesen nicht alles von mir, weil auch Ihr Vertrauen mir gegenüber bis heute noch nicht ganz aufgebaut ist. Heute verstehe ich sie, es ist auch hart zu wissen was die eigene Mutter in ihrer Sucht alles getan hat. Wer möchte schon eine süchtige Mutter haben.

Es gibt Freundinnen und Freunde die mich bisher immer begleitet haben, immer, die an mich geglaubt haben bis zum heutigen Tag. Freundschaften die seit dem Kindergarten bestehen, Freundschaften die in den letzten 10, 20, 30, 40 Jahren entstanden sind. Siglinde, Annette, Werner, Tanja, Jutta. Die weiteren Namen möchte ich hier und jetzt nicht nennen weil ich gelernt habe nicht alle Menschen öffentlich preiszugeben.

Mein Mann hat mich bis heute, danke, bis heute begleitet in _Liebe, Streit, in Trauer, in Schmerz, in Angst, mit und ohne meiner Kaufsucht und mit den Depressionen das heißt auch das wir uns aufeinander verlassen können. 

Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen und unter jedem Dach ist ein Ach. Liebe, Glück und Gesundheit kann man sich nicht kaufen.

Das Erleben und leben in der Psychiatrie 8 Jahre lang, Eine flog über´s Kuckucksnest, lest Ihr in meinem 2. Buch. Persönlichen Gründe haben bisher verhindert, es noch nicht zu veröffentlichen.

Bald…Auszüge lest Ihr ja schon hier.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Mut, Kraft und Stärke, zusammen sind wir stark.

15 Jahre LindesSelbsthilfeKaufSuchtHannover

Herzlichst

Sieglinde Zimmer-Fiene


01. Oktober 2017