Die Kaufsucht – Was ist das genau

 

Kraepelin & Bleuler

 

 

Die Kaufsucht hat mittlerweile einen diagnostischen Namen bekommen, die Ärzte sprechen vom pathologischen Kaufen.

 

Exzessiver Drang zu kaufen um negative Emotionen meist kurzfristig zu kompensieren. Es ist eine belohnende Verhaltensweise. Langfristig stabilisiert sich jedoch das negative Gefühl. Es entstehen soziale und familiäre Konflikte, der Leidensdruck ist enorm. Meistens ist es der Fall, das beim exzessiven Kaufen Schulden entstehen bis hin zur Anzeigen wegen Betrugs.

In der Internationalen Literatur wird überwiegend die Bezeichnung Compulsive Buying Disorder oder Compulsive Shopping benutzt.

Historisches 

Dieses Phänomen wurde bereits 1909 von Kraepelin und 1928 von Bleuler in Lehrbüchern erwähnt. Sie haben es den Störungen der Impulskontrolle zugeordnet.

Kraepelins Bezeichnung für die Kaufsucht lautete Oniomanie und er beschrieb es so:

… die krankhafte Kauflust, die den Kranken veranlasst, sobald sich ihm dazu Gelegenheit bietet, ohne jedes wirkliche Bedürfnis in großen Mengen einzukaufen, Hunderte von Halsbinden oder Handschuhen, Dutzende von Anzügen, Hüten, Überröcken, Schmucksachen, Spazierstöcken, Uhren. In einzelnen Fällen verbindet sich damit der Trieb,  allen möglichen Personen Geschenke zu machen.

Es gibt indessen noch andere Gründe für triebhaftes Kaufen. Ich kannte eine Frau, die sich aus verschiedenen Geschäften massenhaft Waren kommen ließ, um sie sofort hinter dem Rücken ihres Mannes zu Schleuderpreisen wieder zu verkaufen, ohne sie auch nur anzusehen. Obgleich sie sich dadurch den schwersten Unannehmlichkeiten aussetzte und ihren Mann wirtschaftlich zugrunde richtete, war sie doch gänzlich außerstande, von ihrem Treiben zu lassen.Nach gelegentlichen, allerdings von ihr später verleugneten Äußerungen musste man schließen, dass die Triebfeder dieses unsinnigen Handelns der Reiz der Gefahr bildete, die Unruhe und Aufregeung, die mit ihren heimlichen Geschäften verknüpft war.”

[Kraepelin 1909]

Bleuler stellte folgendes fest:

“Natürlich gehören die gewöhnlichen leichtfertigen Schuldenmacher, die sich auf dieser Weise die Mittel zu Genüssen verschaffen wollen, nicht hierher. Das Besondere ist das Triebhafte, das nicht-anders-Können, das sich manchmal auch darin ausdrückt, dass die Kranken trotz guter Schulintelligenz vollständig unfähig sind, anderes zu denken, sich die unsinnigen Folgen ihres Handelns und die Möglichkeiten, es nicht zu tun, vorzustellen. Sie fühlen also auch keinen Zwang, sondern handeln aus Ihrer Natur heraus wie die Raupe, die Blätter frisst.”

[Bleuler 1923]

Bestes Beispiel aus der heutigen Zeit ist der berühmte King of Pop, Michael Jackson. Diese Form von Sucht kann jede Schicht der Gesellschaft betreffen. Es ist vollkommen egal ob reich oder arm.

Klassifikation

In der ICD-10 Internationale Klassifikation der Krankheiten wird das Pathologische Kaufen zur Zeit unter F63.9 eingeordnet

F63 = abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle,
F63.9 = nicht näher bezeichnete abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle.

 

 

 

 

 

 

 

http://www.bruecke-online.de/hilfe-fuer-kaufsuechtige/

Hilfe für Kaufsüchtige

 

In den Räumen der Bürgerschule, Stadtteil-Zentrum Nordstadt in Hannover fand heute eine Tagung unter dem Titel “Wenn das Kaufen zur Sucht wird – Verdrängung undTrauma” statt.  

 

Deutschlands bekannteste Aktivistin zur Anerkennung vonKaufsucht als Krankheit Sieglinde Zimmer-Fiene organisiert diese Veranstaltung jährlich.
Betroffene eröffneten die Tagung mit einem Theaterstück, dass die Situation von Kaufsüchtigen eindrucksvoll darlegte.

Prof.Dr.med. Dr. phil.Astrid Müller  von der MHH Hannover, Zentrum für Seelische Gesundheit Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie stellte die weltweit aktuellen Ergebnisse ihrer Forschung dar. Sie konnte belegen, dass es sich bei unkontrolliertem Kaufen um Sucht handelt. In Amerika gibt es bereits erste Ansätze, Kaufsucht im Zusammenhang mit dem Horten von Sachen in Wohnungen in die Krankheitsklassifikation DSM aufzunehmen. Deutschland hinkt mit dem ICD wie immer um Jahre hinterher.

Welche schrecklichen Folgen diese Bornniertheit für die Betroffenen hat, erklärte Rechtsanwältin Tanja Brettschneider, Fachanwältin für Strafrecht. Kaufsüchtige sind schlechter gestellt als Abhängige von illegalenDrogen. Sie können mit Therapie statt Strafe ihre Haft deutlich mildern.Kaufsüchtige bekommen diese Erleichterungen nicht. Sie landen obendrein häufig in der Forensischen Psychiatrie, zusammen mit hochkriminellen Triebtätern.

Etwas Hoffnung verbreitete die Dipl.-Psych. Nadja Tahmassebi, die das differenzierte Behandlungsprogramm der Salus Klinik Friedrichsdorf für Kaufsüchtige erläuterte. Dipl.-Psych. Cornelia Mertens von der Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen vertrat den Hamburger Kaufsuchtexperten Dr. Bert Kellermann, der sich seit Jahren für dieAnerkennung von Verhaltenssüchten als Krankheit einsetzt. „Die Lage vonKaufsüchtigen ist bestürtzend, hier versagt das Gesundheitswesen“, erklärte sie den Anwesenden und forderte sie auf, auch als Betroffene die politische Öffentlichkeit zu suchen.