Ambulante Gruppentherapie zur Behandlung von pathologischem Kaufen
Information für Patientinnen und Patienten
Die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der MHH bietet eine ambulante störungsspezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische Gruppentherapie zur Behandlung von pathologischem Kaufen an.
Pathologisches Kaufen– Was ist das?
Unter pathologischem Kaufen/Kaufsucht wird ein entgleistes Kaufverhalten verstanden, bei dem es ohne vernünftige Motivation und nicht am Bedarf orientiert zum Konsum von Waren kommt, die anschließend kaum oder gar nicht benutzt werden. Die Kaufattacken werden in der Regel durch negative Gefühle, das Bedürfnis nach Ablenkung von Problemen oder einen starken momentanen Besitzwunsch ausgelöst. Während des Kaufens werden die negativen Konsequenzen des Kaufverhaltens (z. B. Verschuldung, Beziehungsprobleme, Depressionen, Ängste) ausgeblendet. Es kommt zu einer Stimmungsverbesserung, die allerdings nicht von Dauer ist. Nach dem Erwerb oder im Moment der Warenlieferung stellen sich typischerweise Reue und Schuldgefühle ein. Die gekauften Waren werden verheimlicht, versteckt, entschuldigt, oft nie ausgepackt oder gehortet. Die unangemessenen Kaufgewohnheiten werden lange Zeit verharmlost oder verschwiegen, führen im weiteren Verlauf jedoch zu erheblichen psychischen, sozialen und finanziellen Problemen. Mitunter werden die Betroffenen sogar straffällig (z. B. Scheckbetrug, Unterschriftenfälschung).
Wie läuft die Gruppentherapie ab?
Die Indikation für die Teilnahme an der Gruppentherapie wird bei einem individuellen, ambulanten Vorgespräch in unserer Ambulanz gestellt. Bei Interesse vereinbaren Sie bitte telefonisch einen Termin für ein Vorgespräch im Sekretariat unter Tel. 0511-532-3136. Für das Vorgespräch benötigen Sie Ihre Krankenkassenkarte und einen Überweisungsschein. Dieser Termin dient der Diagnostik, Indikationsstellung und Information über das Therapiekonzept. Falls die Teilnahme an der ambulanten Gruppentherapie vereinbart wird, werden Sie auf unsere Warteliste aufgenommen.
Die Therapie besteht aus 12 Gruppensitzungen, à 90 Minuten, die dienstags von 17:30 Uhr bis 19:00 Uhr stattfinden. Die ersten vier Termine finden wöchentlich statt, danach trifft sich die Gruppe alle zwei Wochen. Insgesamt dauert die Behandlung ca. fünf Monate. Die Gruppen bestehen aus 8-10 Patientinnen/Patienten. Da die einzelnen Therapiesitzungen thematisch aufeinander aufbauen, findet die Behandlung in einem geschlossenen Gruppensetting statt.
Therapieziele . Erkennen und Modifizieren von dysfunktionalen Gedanken, Gefühlen und Verhaltensmustern, welche die Kaufattacken auslösen und aufrechterhalten . Reduktion der Kaufattacken und Etablieren eines angemessenen Kaufverhaltens
Übersicht über Themen, die in den Gruppensitzungen bearbeitet werden
. Was ist pathologisches Kaufen?
. Erkennen von problematischem Kaufverhalten
. Gründe für und gegen pathologisches Kaufen
. Auslöser und Konsequenzen von Kaufattacken auf Verhaltens-, Gedanken- und Gefühlsebene
. Kurz- und langfristige Konsequenzen von Kaufattacken
. Erarbeiten von Änderungsstrategien
. Geldmanagement
. Konfrontation mit Kaufsituationen, Expositionsübungen
. Zwanghaftes Horten von gekauften Waren
. Selbstwertprobleme
. Stressmanagement und Problemlösen
. Rückfallprävention
Das Therapieangebot ist nicht geeignet bei:
. Wohnortferne
. Unangemessenem Kaufverhalten mit dem Ziel der materiellen Bereicherung
. Kaufexzessen, die i. R. einer Psychose oder manischer Phasen auftreten
Die Auswertung ergab,dass das in den USA entwickelte und in Erlangen erprobte Therapiemodell erfolgreich ist. Der Erlanger Studiengruppe (Leitung: Frau Dr. Astrid Müller) ist es somit gelungen, erstmals eine wirksame Therapie gegen exzessives pathologisches Kaufverhalten in Deutschland nachzuweisen.